Nein zu einer weiteren Arbeitszeitflexibilisierung!

Monday, 3. July 2017 @ 11:59

Die tägliche Höchstarbeitszeit, das wollen Wirtschaftskammer, Wirtschaftsbund und Industriellenvereinigung, soll von aktuell 10 Stunden auf 12 Stunden erhöht werden. Zudem soll es für Überstunden einen längeren Durchrechnungszeitraum geben. Da geht es aber nicht nur um ein Gesetz, sondern auch um ziemlich viel Geld.

Der Chef der Industriellen Vereinigung, Neumayr ortet eine "unglaubliche Schlagseite". Er meint, es stünde den Kosten von 900 Mio. Euro für die Unternehmer wegen des beschlossenen Mindestlohns von 1.500 € nichts gegenüber. Und WIFO-Chef Christoph Badelt legt noch nach, indem er den gesamten Wirtschaftsstandort Österreich in Gefahr sieht.

Da muss man sich schon fragen, was die beiden Herren unter Sozialpartnerschaft verstehen, denn so wie sie sie auffassen, ist sie weder sozial noch partnerschaftlich! Seit wann sollen Arbeitnehmer ihre Lohnerhöhungen mit Gegenleistungen bezahlen? Bei der von der Wirtschaft gewünschten Flexibilisierung mit zwei Jahren Durchrechnungszeitraum geht es um "brutalen Lohnraub" durch die Arbeitgeber. Bei den jährlich erbrachten Überstunden in Österreich sind das in Summe 1,6 Milliarden Euro. "In Wirklichkeit nimmt man Arbeitnehmern so Milliarden an Euros weg, sagt Vida Gewerkschafts Chef Roman Hebenstreit.

Wenn wir ins Gesetz schreiben, dass 12 Stunden jederzeit zulässig sind, dann wird das viele Menschen unter Druck bringen, Arbeitszeiten zu leben, die sie nicht wirklich wollen.

Was bedeutet ein 12 Stunden Arbeitstag? Noch mehr Arbeit, noch weniger Zeit für Familie, Haushalt, Sport, Fitness. Keine Zeit für Hobbys, Kultur und Muse. Dazu der Raubbau an der physischen und psychischen Gesundheit. Nach acht Stunden Arbeit brauchst du die doppelte Kraft und Konzentration, nach zehn Stunden beginnen sich Fehler einzuschleichen, köperliche und geistige Ermüdung verlangsamt die Arbeitsleistung, nach zwölf Stunden bist du leer - ausgebrannt.

Die Alarmzeichen deines Körpers nach einigen Wochen sind Erschöpfungszustände. Wer nicht einen Gang zurück schalten kann, riskiert dauerhafte Schäden an der eigenen Gesundheit. Von Herz-Kreislauf Erkrankungen bis zum totalen Burnout. Die Robusten, die es bis zur Pensionierung durchhalten, bezahlen das mit einer geringeren Lebenserwartung. Die Bedauernswerten, die es schon vorher erwischt, fallen von der ökonomischen Klippe. Krankheit, Jobverlust, Arbeitslos, Notstand! Ein Abstieg der durch nichts aufzuhalten ist. Das alles dafür, dass Industrie und Wirtschaft brummen. Wir bezahlen deren Profite nicht nur mit unserer Gesundheit, sondern mit Einbußen bei Familie und Lebensqualität, sogar mit einem Teil unserer Lebenszeit.

Die KPÖ sagt klar Nein zu einer weiteren Arbeitszeitflexibilisierung!

Die KPÖ sagt Ja zu höheren Mindestlöhnen, damit auch die ArbeitnehmerInnen von der gestiegenen Produktivität profitieren.


H.Fuxbauer


KPÖ Wien
http://wien.kpoe.at/article.php/-nein-zu-einer-weiteren-arbeitszeitflexi