Vom Masochismus und anderen wunderlichen Dingen!

Monday, 21. February 2005 @ 13:59

Seit PISA wird in Österreich heftigst und wortgesandt darüber diskutiert, wie der Bildungsmisere beizukommen ist. Aus der Fernsehdebatte ergeben sich eine ganze Reihe von Fragen, zwei davon können als zentral angesehen werden:
Wer regiert eigentlich in diesem Land?
Wer ist eigentlich die Opposition?
Martin Just, Stadtleitungsmitglied der KPÖ-Wien, geht auf diese Thematik anhand der Bildungsdebatte etwas genauer ein.

Über Bildung, das Bildungssystem und PISA wird ja in letzter Zeit öfter diskutiert. Wenn man dann den Nerv hat, nicht nach der zweiten Wortmeldung abzuschalten oder das Programm zu wechseln, kann es dann schon vorkommen, dass die Reizschwelle hin zu psychischem Masochismus gehörig überschritten wird. Da sitzt also eine Bundesministerin, der Vorsitzende der SPÖ, ein PISA-Verantwortlicher, eine Dame von der LehrerInnengewerkschaft und ein Herr von der Industriellenvereinigung und machen sich Gedanken darüber, was denn so alles anders werden muss, soll und kann. Und wer das alles bezahlen soll.
Gehen wir auf die "Schulgelddebatte" genauer ein. Gusenbauer will also die Schulgeldfreiheit verfassungsrechlich verankert wissen. Gut so! Es ist ihm aber scheinbar entgangen, dass das Schulgeld auf ganz anderem Wege daherkommt: Nämlich in Form der sogenannten Ganztagsschule, die, so wie sie von Gehrer vorgetragen wird, natürlich keine solche ist, sondern eine Nachmittagsbetreuung, und da war die Einigkeit schnell hergestellt, die kostet natürlich, da muss natürlich ein "Selbstbehalt" her. Zuhören, Herr Gusenbauer, schadet nicht, ansonsten ist zu seinen Wortspenden in der Debatte nur eines zu sagen: Nicht genügend, setzten! Dass Gusenbauer es nicht einmal mehr schafft, sich zum Thema Pragmatisierungen zu positionieren, sagt ohnehin schon mehr aus, als ihm selbst wahrscheinlich selbst lieb ist.Nicht zu vergessen: Keine Antwort ist auch eine Antwort!
Der Gipfel der Frechheit war aber an sich, dass der Herr von der Industriellenvereinigung nichts anderes als den Einzug der "Wirtschaft" in öffenliche Schulen fordern kann, ohne dass ihm gehörig widersprochen wird!
Was hier von dieser Seite vorgetragen wurde, war nichts anderes als das, was früher eimal "Heranbilden an die Maschine " genannt wurde! Hier hat der Zahn der Zeit natürlich einiges verändert, es muss nicht unbedingt die Maschine sein, aber in die kritiklose Lohnknechtschaft führen diese Forderungen allemal. Von Gehrer ist natürlich kein Widerspruch zu erwarten, aber, um die Eingangs gestellte Frage zu beantworten, auch Gusenbauer hat hierbei keine oppositionelle Position eingenommen. Womit die Eingangs gestellten Fragen auch schon beantwortet werden kann. Die IV gibt die zu exekutierende Politik vor, und von Seiten der vier Parlamentsparteien kommt zu solchen Grauslichkeiten weder ein Muh noch ein Mäh! Die Gewerkschaftsposition, auch wenn diese verwaschen war, war in dieser illustren Runde ohnehin auf verlorenem Posten.

Die Debatte war natürlich von einigen weiteren eloquenten Verdrehungen geprägt, aber auch mein Hang zum Masochismus kennt Grenzen. Jeder Schwachsinn muss nicht kommentiert werden. Aber gerade deswegen bin ich im übrigen der Meinung, dass es Zeit wird, das Heft wieder selbst in die Hand zu nehmen!
Und an die IV: Muh! Mäh!


KPÖ Wien
http://wien.kpoe.at/article.php/20050221135922872