KPÖ-Positionen zu Gesundheit und medizinische Versorgung

Thursday, 24. February 2005 @ 19:54

Neben individuellen Ursachen für Erkrankungen gibt es zahlreiche gesellschaftliche Ursachen, die mit dem Profitsystem zusammenhängen. Das gilt sowohl für Unfälle wie für Erkrankungen, die durch rücksichtslose Antreiberei und Angst um den Arbeitsplatz in Betrieben verursacht werden, als auch für solche, die auf umweltgefährdende und umweltvergiftende Produktionsverfahren zurückzuführen sind. Im Rahmen des Sozialabbaus wurden in den letzten Jahren gerade auch im Gesundheitswesen und mit der Privatisierung sozialer Einrichtungen und Leistungen eine Reihe von Verschlechterungen, wie weniger Krankenhausbetten, weniger Ausbildungsstätten für KrankenpflegerInnen, keine ärztliche Nachtbetreuung usw., wirksam. Geht es nach dem Willen der Herrschenden, soll diese Entwicklung in der Zukunft noch verstärkt werden.

Die Schließung von Krankenhäusern wird bereits vorbereitet. Die von der österreichischen Arbeiterbewegung in langen Kämpfen durchgesetzte kostenlose medizinische Versorgung für alle wurde und wird unter den verschiedensten Vorwänden immer weiter ausgehöhlt. Die Medikamentengebühr und der Kostenbeitrag pro Spitalsaufenthaltstag werden jährlich angehoben. Die Tendenz geht wieder in Richtung "Klassenmedizin".

Wir Kommunisten sind überzeugt, daß die Probleme des Gesundheitswesens nur im Rahmen eines staatlichen Gesundheitsdienstes gelöst werden können. Privatisierung im Gesundheitsbereich lehnen wir grundsätzlich ab, denn mit der Gesundheit der Bevölkerung dürfen nicht Spekulationen und Geschäftemacherei betrieben werden! Zur Verbesserung des Gesundheitswesens schlägt die KPÖ vor:

Gesundenuntersuchung: Vorsorgemedizin ist der beste Schutz für die Gesundheit und verhindert teure Behandlungs- und Folgekosten. Daher ist eine jährliche Durchuntersuchung vom Kleinkindalter bis ins hohe Alter durch entsprechende Fachärzte unabdingbar. Die Mutter-Kind-Paß-Untersuchung, der schulärztliche Dienst, die Lehrlings- und Jugendlichenuntersuchungen und die Gesundenuntersuchung müssen daher für die Bevölkerung attraktiver und effizienter werden, damit sie von den BürgerInnen auch in Anspruch genommen werden.

BetriebsärztInnen: Ausbau der Kompetenzen und rechtlichen Möglichkeiten für Arbeitsmediziner und Ausbau des betriebsunabhängigen betriebsärztlichen Dienstes als eine entscheidende Voraussetzung zur Verbesserung der Vorsorgemedizin, die auch die Ursachen von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten festzustellen und zu beseitigen hat. Regelmäßige Untersuchungen in den Betrieben helfen überdies, Unfällen und Erkrankungen vorzubeugen bzw. letztere schon im Anfangsstadium zu behandeln.

FachärztInnen: Errichtung von Ambulatorien der Krankenkassen für alle Fachbereiche der Medizin bzw. Öffnung und Ausbau der bestehenden Spitalsambulatorien für alle Menschen, die ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen, ähnlich den zahnärztlichen Ambulatorien.

Krankenpflegepersonal - Hauskrankenpflege: Ausbau der Krankenpflegeschulen, Aufwertung des Pflegeberufs durch Abschluß mit mittlerer Reife und Umstrukturierung der Ausbildungsentschädigung ähnlich dem Lehrlingswesen. Wir wenden uns gegen die verbreitete Praxis, diese Aufgaben fast ausschließlich privaten Organisationen, die weltanschaulich oder parteimäßig gebunden sind, zu überlassen.

Selbstbehalte: Beseitigung der unsozialen Medikamentengebühr und der Heilmittelselbstbehalte; ebenso Streichung des Kostenbeitrages für den Spitalsaufenthalt. Einschränkung der Milliardenprofite der Arzneimittelmonopole durch staatlich regulierte Medikamentenpreise und Beschneidung der Großgerätemedizin durch eine bundesweite Planung.

Schwangerschaft - Verhütung: Verbesserte Aufklärung in den Schulen und kostenlose Abgabe von Schwangerschaftsverhütungsmitteln. Durchführung der Fristenlösung in allen öffentlichen Krankenhäusern auf Kasse; Sterilisation von Frauen bzw. Männern ohne Altersbegrenzung (bei Frauen ohne Einwilligung des Ehemannes) auf Krankenschein.


KPÖ Wien
http://wien.kpoe.at/article.php/20050224195444756