Wir wollen unser Geld!

Friday, 4. May 2007 @ 12:26

Rede von Elfie Resch, die für den feministischen Bereich sprach, auf der 1. Mai Demonstation 2007 in Wien. Liebe MitstreiterInnen

Ich habe meinen Redebeitrag als feministische Kritik an den herrschen Zuständen und der vergangenen und derzeitig Regierenden geplant. Sie 5mal umgeschrieben. Auch ich habe eine fürchterliche Wut, dass es notwendig ist jedes Jahr die gleichen Forderungen zu stellen, über Jahrzehnte hinweg. Und es ändert sich wenig.
Und bis gestern Abend war ich auch glühend entschlossen es trotzdem wieder zu tun. Empört ich bin auch heute noch, doch die Meldung, dass inzwischen 1 Million Menschen die in Österreich von Armut bedroht oder schon arm sind, hat mich schockiert. 1 Million Menschen, jeder 8., hat somit in einem der reichsten Länder der Erde nicht genug, um menschenwürdig zu leben. AlleinerzieherInnen und ihre Kinder und Pensionistinnen, Menschen die trotz bezahlter Arbeit nicht genug verdienen, um ihren Lebensunterhalt abzudecken. Arbeitslosengeld und Notstandhilfezahlungen sind zu niedrig, die Schikanen auf den Arbeitslosenämtern nehmen zu. Immer mehr finden sich in prekären Beschäftigungsverhältnissen wieder ohne soziale Absicherung. Vorsorge und Alterssicherung werden zu nehmend privatisiert. Viele junge Frauen und Männer haben noch nie Zugang zum Sozialsystem gefunden. 180.000 Menschen haben keine Krankenversicherung.

Frauen aller Generationen kennen Diskriminierung. Gesellschaftliche, sexuelle und rassistische Diskriminierung. Frauen wurden über die Jahrhunderte verbrannt, gefoltert und weggesperrt, wenn Herrscher, Geistlichkeit und Mann fand, sie verhielt sich nicht, wie er es gestattet.
Doch die Frauen hatten es satt Opfer zu sein, sie schlossen sich zusammen, sie kämpften für Frauenrechte. Generationen von Frauen trugen über ein Jahrhundert ihre Forderungen auf die Straße. Die bürgerliche und die proletarische Frauenbewegung haben bis zu ihrer Zerschlagung durch den Faschismus Erfolge erreicht. Ich nenne nur zwei, ohne sie einer Bewegung zu zuordnen, den es haben alle Frauen davon profitiert: Das Frauenwahlrecht, den Zugang zu Bildung und Ausbildung.
Die zweite Frauenbewegung der 60iger und 70iger Jahre hat dort angeknüpft und den Kampf gegen die Diskriminierung wieder aufgenommen. O ja Diskriminierung ist inzwischen gesetzlich verboten. Ja, auf dem Papier steht’s so geschrieben. Doch Papier ist geduldig.

1 Million Menschen sind in Österreich von Armut bedroht oder schon arm.
Aber wissen wir eigentlich, wie diese Armut ausschaut? Haben wir da nicht immer Bilder im Kopf von dem was wir als wirklich arm kennen. Bilder aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Bestenfalls noch Bettler oder Obdachlose rund um die Gruft. Doch die sind nicht gemeint. Es ist die versteckte Armut. Die Armut wohnt nebenan.
Es ist die Pensionistin von nebenan, die ihre Armut versteckt, die seit Jahren die gleiche Kleidung trägt. Die im Winter nie die Fenster öffnet. Und wo du dich wunderst, wie wenig da im Einkaufskorb liebt, wenn du hinter ihr an der Supermarktkasse stehst. Sie verläst auch kaum das Haus, obwohl sie noch „recht rüstig“ ist.
Es ist die Mutter, die ihrem Kind nicht nur aus erzieherischen Gründen, die Süßigkeiten verweigert. Und an der Reaktion des Kindes kannst du genau erkennen, dass es diese Situation gut kennt, den Wunsch nach Süßigkeiten und das Wissen „es geht nicht“.

Wir wollen unser Geld! Bedingungsloses Grundeinkommen für alle!
Vom Baby bis zur Großmutter. Das Recht auf eine menschenwürdige Absicherung, ohne BittstellerIn zu sein.
Jede von uns kennt es, wenn am Ende des Monats ein dickes Minus am Konto ist. Wenn das Monat mehr Tage hat als das Gehalt hergibt. Wenn Miete, Strom und Heizung nicht bezahlt werden können. Brot kostet für alle gleich, ob ich 100.000 € in einem Monat verdiene oder ob ich von Sozialhilfe leben muss oder nur ein geringfügiges Einkommen von 329 € habe.

1 Million Menschen sind in Österreich von Armut bedroht oder schon arm.
Dass diese Armut bisher nicht so drastisch sichtbar wurde, dafür ist auch die unbezahlte Versorgungsarbeit von Frauen in der Pflege und der Kindererziehung verantwortlich.
Dafür sorgen aber auch Tausende mit unbezahlter Ehrenarbeit.
Wir wollen unser Geld! Umverteilung jetzt sofort! Bedingungsloses Grundeinkommen für alle!

Das ist nicht zu finanzieren?
während im Militärbereich die Milliarden nur so aus dem Staatssäckel hupfen werden im Sozialbereich Almosen verteilt. Während sich Rumpold und Co an Schmiergeldern delektieren, werden Arbeitslosenwegen Nichtigkeiten gesperrt.

Wir wollen unser Geld!
1 Million Menschen sind armutsgefährdet. Doch statt ein paar Militärs die Eurofigther zum Spielen zu überlassen könnten die fehlenden Kinderbetreuungsplätze finanziert werden,
die Studiengebühren abgeschafft werden und das Pflegegeld soweit erhöht werde, sodass Pflege leistbar wird, Pflegekräfte eine ihrer schweren Arbeit angemessene Entlohnung erhalten, und nicht Sklavenbedingungen wie sie der Herr Bartenstein und Herr Buchinger auspackeln und verordnen wollen.

Wir wollen unser Geld. Unser Geld, das wir alle jeden Tag an diesen Staat zahlen. Mit jedem Stück Brot, mit jeder Arbeitstunde.

1 Million Menschen sind in Österreich von Armut bedroht oder schon arm.
Wir wollen unser Geld.


KPÖ Wien
http://wien.kpoe.at/article.php/2007052312265370