Lesung in Gedenken an Eugenie Kain

Monday, 1. February 2010 @ 02:53

In Gedenken an Eugenie Kain fand am 30. Jänner 2010 im Gartensaal des Museums für Volkskunde die fünfte und letzte Präsentation der Linken-Wort-Anthologie „Wir retten ein System!“ statt. Die gut besuchte Autorinnenlesung ging über eine reine Buchpräsentation hinaus, da auch Texte von Eugenie Kain vorgetragen wurden. Ferner wurden zum Werk von Eugenie Kain passende Texte gelesen.
Es lasen die Autorinnen Ruth Aspöck, Judith Gruber-Rizy, Elfriede Haslehner, Eva Jancak, Ursula Knoll, Hilde Langthaler, Carina Nekolny, Lale Rodgarkia-Dara, Hilde Schmölzer und Simone Schönett. Die Autorin Eva Jancak, die in ihrem Blog „Literaturgeflüster“ nahezu täglich von Literaturveranstaltungen berichtet, erlaubte uns, ihren Bericht über die Eugenie-Kain-Gedenklesung zu übernehmen.

Es war sehr spannend und sehr voll. Die zehn Reihen mit den je fünf Sessel besetzt und die Veranstaltung sehr schön angekündigt, mit einem großen Plakat vor dem Museumseingang und einen großen Büchertisch.
Die Familie Kain war anwesend, die Mutter, die Tante und eine gute Freundin, die KPÖ Granden, aber auch Rudi Lasselsberger, Silvia Bartl und viele Autorinnen.
Im Buch sind außer Eugenie Kain sieben vertreten. Es haben aber zehn gelesen und so war die Textauswahl eine Kombination mit Texten von Eugenie Kain, denen aus dem Buch und einigen neuen. So hat Carina Nekolny nicht auf dem Volksstimmefest gelesen und auch Simone Schönett habe ich noch nicht gehört.
Es hat aber gepasst und war eine wilde Mischung von linken Wörtern und Randgruppenliteratur.
“Randschriften” heißt auch der Text, den Eugenie Kain für die Anthologie geschrieben hat. Mit dem Untertitel “Offenbar Radaubrüder.”
Ruth Aspöck hat ihn vorgelesen und Christoph Kepplinger wies in der Einleitung darauf hin, daß sich gestern bei dem Polizeieinsatz gegen die Burschenschaftsballdemonstration ähnliches abgespielt hat. Daß sich Eugenie Kain mit Rändern beschäftigt hat, ist bei der Lesung auch sehr schön herausgekommen.
Ich habe mit Auszügen aus meinen Blogeinträgen, der Todesmeldung und den Bericht über die alte Schmiede Lesung im April begonnen. Da ist es ihr, hat mir die Freundin der Familie, die im Café der Provinz neben mir gesessen ist, später erzählt, sehr gut gegangen. (...)
Judith Gruber-Rizy ist nach mir gekommen und hat mit „Vom Schwimmen in der Donau”, einen Text gelesen, den Eugenie Kain in Gedenken an Franz Kain geschrieben hat, der die Beziehung zwischen einem schreibenden Vater und einer schreibenden Tochter sehr gut beleuchtet hat. Die Bücher des Vaters hat sie nur heimlich und verstohlen gelesen und weil sie eine schlechte Schrift hatte, hat sie in den Ferien einen seiner Texte abschreiben müßen, statt mit ihren Freundinnen ins Schwimmbad zu gehen.
Interessant, daß hier die Erzählstimmen vom „ich” zum „sie” hinüberschwenken und die Ränder kommen auch natürlich vor. Auch bei Carina Nekolny, einer Linzerin, die eine Geschichte aus ihrem Buch „Stimmen/ Ränder” gelesen hat, in dem es um die Anni Holzer aus der Schwedensiedlung gegangen ist, die ihren Bären in der Handarbeitsstunde total lässig gestrickt hat und dabei noch die coolsten Geschichten von einem reichen Onkel und einem Tierarztvater erfunden hat, über die sie selber lachen mußte. (...)
Hilde Langthaler hat auch ein paar Eugenie Texte gelesen, aus “Sehnsucht nach Tamanrassent” und etwas aus einem dieser Linz 09 Kataloge, während andere Eugenie Kain gar nicht gekannt haben. So Lale Rodgarkia-Dara, einen Text aus ihrem Romanprojekt gelesen, eine Globalisierungsgeschichte, wo es, um eine Litauerin in Brüssel gegangen ist, die eine spritzig frische Sprache hat.
Linz war weit weg, um Ränder ist es trotzdem gegangen und das auch bei dem Text von Simone Schönett, der im Magazin zur “Kultur der Endlichkeit” enthalten ist. Das Heft enthält Texte über das Sterben und hat mich sehr beeindruckt. Ursula Knolls Text fällt auch in diese Kategorie.
Zwei sehr beeindruckende Stunden mit linken Wörtern, starken neuen Texten, neben den bewährten Anthologiebeiträgen und einem Abschiednehmen von Eugenie Kain, die sehr berührten.


Carina Nekolny, Ursula Knoll, Elfriede Haslehner


Lale Rodgarkia-Dara, Hilde Langthaler, Simone Schönett


Eva Jancak, Hilde Schmölzer, Judith Gruber-Rizy


Ruth Aspöck, Christoph Kepplinger


KPÖ Wien
http://wien.kpoe.at/article.php/20100201025340713