Erste Werkschau für Susi Weigel

Thursday, 6. May 2010 @ 01:00

Die Vorarlbergerin Susi Weigel hat weltbekannte Kinderbücher wie "Das kleine Ich bin ich", "Lollo", "Die Omama im Apfelbaum" und "Die Geggis" illustriert - und blieb trotzdem weitgehend unbekannt. Das Frauenmuseum Hittisau widmet der Trickfilmzeichnerin, Grafikerin und Illustratorin nun unter dem Titel "Ich bin Ich. Susi Weigel" erstmals eine Ausstellung in Österreich. Viele der von Weigel illustrierten und von Mira Lobe geschriebenen Kinderbücher wurden millionenfach und in unzähligen Ländern aufgelegt - von Südafrika über Korea, Japan, Taiwan, China, Spanien, Frankreich und Finnland bis zur Türkei und Israel.

Populär und trotzdem unbekannt
Während Lobe heute vielen ein Begriff ist, ist der Name Weigel hierzulande nur wenigen bekannt. Dabei lebte die Künstlerin fast 40 Jahre lang in Bludenz in Vorarlberg. Die lebenslustige, aber öffentlichkeitsscheue Grafikerin wurde zwar in Wien und weltweit immer wieder mit bedeutenden Preise geehrt, in Österreich aber kaum wahrgenommen.
Die Exponate, die das Frauenmuseum Hittisau zeigt, stammen aus dem persönlichen Nachlass Weigels. Dieser befindet sich in Bludenz in Privatbesitz und wird erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Unverwechselbarer Collagestil
Weigel entwickelte schon früh einen sehr persönlichen, unverwechselbaren Illustrationsstil, der collagierte Elemente aus geschnittenen und gerissenen Papieren mit grafisch-linearen, oft kolorierten Zeichnungen verband.
"Kennst du die bunten Mira-Susi-Bücher?", stand in den 60er Jahren auf einem pinkfarbenen Werbeflyer des Wiener Jungbrunnen Verlags. Die "Mira-Susi-Bücher" waren damals eine erfolgreiche Marke mit hohem Wiedererkennungswert, entstanden aus der äußerst produktiven und langjährigen Zusammenarbeit zwischen der Schriftstellerin und der Illustratorin.

Von Mähren nach Wien
Die in Proßnitz (Mähren) und Wien aufgewachsene Weigel war als Illustratorin, Werbegrafikerin und Trickfilmzeichnerin äußerst aktiv. Sie studierte an der Kunstgewerbeschule und der Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei Franz Cizek, Rodolf Larisch, Albert Paris Gütersloh, Viktor Schufinsky und Wilhelm Müller-Hofmann.
Nach ihrer Ausbildung arbeitete Weigel in Berlin, wo sie u. a. für die Tobis-Filmkunst GmbH Zeichentrickfilme herstellte. Auch aus dieser Zeit ist die antifaschistische Haltung Weigels belegt. Nach Kriegsende begann sie für "Unsere Zeitung", die erste Kinderzeitung Österreichs, im Auftrag des KPÖ-nahen Globus Verlags zu arbeiten.

Erste Erfolge mit "Pipsi" und "Sambo"
Sie war eine der meistbeschäftigten Zeichnerinnen der Zeitschrift und schuf im Lauf von zehn Jahren Hunderte Illustrationen und diverse Titelblätter. Besonders erfolgreich waren ihre Serien "Pipsi-Maus" (Text: Friedl Hofbauer), die Geschichte einer kleinen Maus, die hilfreich in die Geschicke der anderen Figuren eingreift, und "Sambo" (Text: Lilli Weber-Wehle), die Abenteuer eines farbigen Buben auf Weltreise, der bis nach Tirol kommt.
Durch ihre Arbeit im Globus Verlag lernte Weigel auch Lobe kennen. Das Duo entwickelte eine Reihe sehr bekannter Kinderbücher, darunter "Lollo", "Die Omama im Apfelbaum", "Die Geggis" , "Das Städtchen Drumherum" und - vielleicht am bekanntesten - "Das kleine Ich bin ich". Allein dessen deutschsprachige Ausgabe wurde bis zu Weigels Tod 1990 235.000-mal verkauft.

"Menschliches näher als jeder Titel"
1961 erhielt Weigel den Illustrationspreis der Stadt Wien für "Hannes und sein Bumpan", 1964 für dasselbe Buch den Hans-Christian-Andersen-Preis sowie 1970 erneut den Wiener Illustrationspreis für "Das Städtchen Drumherum". 1971 wurde ihr der Förderpreis des Ministeriums für Unterricht und Kunst verliehen, 1986 der Berufstitel "Professor".
Die von Weigel entwickelten Figuren und Charaktere haben das visuelle Gedächtnis mehrerer Generationen entscheidend geprägt. Als Weigel nach der Verleihung des Professorentitels gefragt wurde, ob sie stolz sei, sagte sie schlicht: "Frau Professor? Ach nein, wissen Sie, ich lege auf Titel keinen großen Wert. Mir ist das Menschliche näher als jeder Titel."

Ausstellungshinweis
"Ich bin Ich. Susi Weigel. Trickfilmzeichnerin und Illustratorin." Frauenmuseum Hittisau, 13. Mai bis 26. Oktober, Donnerstag 15.00-20.00 Uhr, Freitag 14.00-17.00 Uhr, Samstag und Sonntag 10.00-12.00 und 14.00-17.00 Uhr.

Artikel: www.orf.at, 5. Mai 2010


KPÖ Wien
http://wien.kpoe.at/article.php/20100505163759132