Irma Schwager zum 90. Geburtstag: Widerstandskämpferin, Antifaschistin, Kommunistin

Sunday, 30. May 2010 @ 07:00

Einer so großen Frau zu ihrem 90. Geburtstag zu gratulieren, ist nicht leicht. Über Irma Schwagers Verdienste ist schon viel gesagt worden. Uns bleibt daher nur zu sagen: Danke und die herzlichsten Glückwünsche!

Irma Schwager alias Susanne Berger alias Irma Wieselberg feiert am 31. Mai ihren 90. Geburtstag. Drei Namen, drei Lebensabschnitte: Irma Wieselberg kennzeichnet ihre Kindheit und Jugend in Wien; Susanne Berger war ihr Name im französischen Widerstand und Irma Schwager, als die wir alle sie kennen, steht für ihr vielfältiges Wirken in Österreich nach der Befreiung vom Faschismus bis heute.

Ein Interview mit ihr, entstanden zum Anlass ihres 80. Geburtstages, birgt noch immer unbekannte Seiten ihres reichen Lebens in der Frauen- und Friedensbewegung und in der KPÖ, zusammengefasst hat es Bärbel Mende-Danneberg.

Nie wieder Krieg
"Nach 1945 haben wir gesagt, es darf nie wieder zu solch einem Krieg kommen, nie wieder Krieg und Faschismus! Das war der Wunsch vieler Menschen auch über die Kommunistische Partei hinaus. Auch wenn viele die Befreiung als Niederlage empfunden haben – aber froh waren doch alle, dass dieser Bombenkrieg vorbei war. Und wir haben natürlich die große Illusion gehabt, dass jetzt alles anders wird, dass aus der Geschichte gelernt und ein neues Österreich entstehen wird.

Was die Frauen betrifft, so haben unterschiedlichste Persönlichkeiten wie etwa Grete Schütte-Lihotzky, Anna Grün, Lina Loos oder Marie Eis, Künstlerinnen, Schauspielerinnen oder Schriftstellerinnen, vor allem auch Frauen, die selbst im Widerstand waren, versucht, den Gedanken des Antifaschismus weiterzutragen: Frauen müssen eine Kraft für den Frieden werden. Da ist mit diesen Frauen die erste Gruppe des Bundes Demokratischer Frauen gegründet worden. Im Oktober 1945 erschien dann auch schon die erste Ausgabe der „stimme der frau“, es war die erste Frauenzeitschrift der 2. Republik. Es war das Bemühen, eine überparteiliche Organisation zu gründen, in der Frauen aller Richtungen in einem neuen Österreich gleiche Rechte haben. 1945 ist auf internationaler Ebene die Internationale Demokratische Frauenföderation (IDFF) gegründet worden. Es war die einzige Fraueninternationale, in der auch die sozialistischen Länder vertreten waren. Beim Gründungskongress waren auch Österreicherinnen dabei. Im Jahr 1948 wurde unter den Frauen diskutiert, ob sich der Bund Demokratischer Frauen dieser IDFF anschließen soll. Manche wollten das nicht, weil ihnen das zu kommunistisch erschien.

Arbeit mit Frauen
Bis dahin hat die Kommunistische Partei wie auch alle anderen Parteien Frauenkomitees gehabt, das war so bei der ÖVP und der SPÖ. Die KPÖ hatte Frauenaktivs in ihren Leitungen. Das war eine große Diskussion in der Partei – eigentlich sollte man versuchen, die Frauen unabhängig von Parteien zu sammeln in einer Vereinigung wie dem Bund Demokratischer Frauen. Damit eine solche Frauenbewegung wirklich einen Druck und Glaubwürdigkeit bekommt, hat die Kommunistische Partei ihre Frauenaktivs aufgelöst. Die meisten von ihnen sind in den Bund Demokratischer Frauen gekommen. Die Grete Schütte-Lihotzky ist Vorsitzende des BDFÖ geworden.

Ich bin 1952 in den BDF gekommen und wurde gefragt, ob ich in der Leitung mitarbeiten möchte. Das habe ich getan, meine Kinder waren aus dem Gröbsten heraus, und so haben wir in dieser Frauenorganisation drei wichtige Themen gehabt: Frieden, Antifaschismus und antifaschistische Aufklärung der Jugend. Es wurde auch ein Komitee gegründet, bei welchem der Bund Demokratischer Frauen aktiv mitgewirkt hat und in welchem Frauen unterschiedlichster Weltanschauung zusammengearbeitet haben. Dieses Komitee hat über 30 Jahre lang antifaschistische Filmvorführungen in der Urania veranstaltet.

Unsere Schwerpunkte haben sich erweitert. Die Frage Gleichberechtigung, Kinderbetreuung, der Kampf gegen den §144, die Reform des Ehe- und Familienrechts – hunderte Fragen, die ja weit über linke Organisationen hinausreichen. Wir haben in der 2. Republik bei jedem Justizminister vorgesprochen, damit das Familienrecht aus der Postkutschenzeit reformiert wird. Und jeder Justizminister hat uns recht gegeben, aber im Parlament brauche man dazu eine Mehrheit, wurde uns immer gesagt. Das war ein langer Kampf, der erst in den 70er Jahren erfolgreich war.

Wir haben schon etwas in Bewegung gebracht. Wir haben zwar unser Ziel nicht erreicht, eine große, überparteiliche Frauenorganisation zu schaffen, aber wir haben mitgewirkt, Frauenbewusstsein zu schaffen. Mit Johanna Dohnal ist ein großer Durchbruch gelungen, weil sie bereit war, ihre Tore breit zu öffnen, auch für uns. Da ist dann auch zusammen mit der autonomen Frauenbewegung vieles in Bewegung gekommen. Die Aktionseinheiten zum Internationalen Frauentag am 8. März wurden schließlich, nachdem wir anfangs mit unseren Forderungen allein auf der Straße waren, von einem breiten Bündnis getragen."


KPÖ Wien
http://wien.kpoe.at/article.php/20100511230512819