Literatur und Revolution

Thursday, 14. April 2011 @ 19:52

Ausgehend von Roque Daltons für die sechziger und siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts richtungsweisendem Lebens-Werk, möchten wir mit drei engagierten SchriftstellerInnen und einem Filmemacher über Möglichkeiten und Probleme revolutionärer Literatur diskutieren und laden Sie/Euch daher ganz herzlich zur zweitägigen und zweisprachigen (spanisch/deutsch) Veranstaltung LITERATUR UND REVOLUTION in die Alte Schmiede/Literarisches Quartier und zwar

am Mittwoch, den 11. Mai
und am Donnerstag, dem 12. Mai
jeweils 19 Uhr.

Partiendo de la vida y obra revolucionarias del poeta salvadoreño Roque Dalton que tuvo un gran impacto en la literatura de los años sesenta y setenta del siglo pasado, queremos discutir con tres escritores y un director de cine comprometidos sobre las perspectivas y los problemas de una literatura revolucionaria. Por eso les invitamos cordialmente al evento bilingüe (español/alemán)

LITERATURA Y REVOLUCIÒN
en la Alte Schmiede/Literarisches Quartier
el miércoles 11 de mayo
y el jueves 12 de mayo
a las 19 horas. 11.5. Mittwoch, 19.00 LQ
LITERATUR UND REVOLUTION I: Am Beispiel Roque Dalton (El Salvador; 1935-1975) • mit JORGE DALTON (El Salvador) • HORACIO CASTELLANOS MOYA (El Salvador/ USA) • BELÉN GOPEGUI (Spanien) • Referate und Gespräch – zweisprachig spanisch – deutsch; Moderation: Tina Leisch, Dolmetsch: DORIS BANKHAMER

12.5. Donnerstag, 19.00 LQ
LITERATUR UND REVOLUTION II: Strategien heute - mit KATHRIN RÖGGLA (Österreich/ Deutschland ) • HORACIO CASTELLANOS MOYA (El Salvador/ USA) • ELÉN GOPEGUI (Spanien) Lesungen und Gespräch – zweisprachig spanisch – deutsch; Moderation: Erich Hackl, Dolmetsch: DORIS BANKHAMER
Literatur und Revolution: Am Beispiel ROQUE DALTON • Roque Dalton (1935-1975) ist der wichtigste Dichter El Salvadors, der Bertolt Brecht oder Jura Soyfer Mittelamerikas, sein Leben ein Abenteuerroman, seine Dichtung der britzelnde Funkenschlag zwischen politischer Utopie und Sinnlichkeit, zwischen revolutionärer Überzeugung und Lust am Ketzertum.
Von den Diktaturen seines Landes wegen subversiver Tätigkeit zum Tode verurteilt, gelang es ihm zweimal, seiner Hinrichtung zu entkommen. Er lebte in Mexiko, Prag, die längste Zeit in Kuba im Exil, er bereiste ganz Lateinamerika, Europa (auch Wien), China, Vietnam und Korea. Er baute die »Revolutionäre Volksarmee« (ERP) mit auf und wurde von einer militaristischen Fraktion seiner eigenen Organisation unter bis heute nicht geklärten Umständen ermordet.
Dalton war Pionier einer linken Geschichtsschreibung und Kulturforschung seines Landes, er machte emphatisch Gebrauch von »Guanakismen« (salvadorianischen Varianten des Spanischen) und integrierte als erster Dichter Mittelamerikas die Sprache der Straßen und Spelunken, Bordelle und Gefängnisse in seine Dichtung. Sein Leben und Werk steht – exemplarischer noch als das Che Guevaras – für den Versuch, neokoloniale und imperialistische Unterdrückungsstrukturen mit literarischen und politischen und militärischen Mitteln zu bekämpfen, aber auch für die Widersprüche und Konflikte, in die man dabei geraten kann.
In einer Zeit, in der es üblich geworden ist zu behaupten, dass mit dem Ende der totalitären Staatssozialismen utopisches Denken, revolutionäres Handeln und politisch motivierte Literatur überhaupt obsolet geworden sind, geht es uns darum, Möglichkeiten und Hindernisse eingreifenden, operativen Schreibens zu erörtern. Wie können Dichterinnen und Schriftsteller revolutionäre Prozesse befördern? Gibt es literarische Werke, die revolutionäre Wirkung haben und gibt es Rezepte zu ihrer Herstellung? Ist nicht der Literaturbetrieb ein durch und durch bürgerlicher oder auch reaktionärer Teil der Kulturindustrie und müssen daher AutorInnen, die die Welt nicht nur beschreiben und erklären, sondern verändern möchten nicht die Arbeit am nächsten Roman sofort nieder legen, um .... Ja, um was zu tun?

Roque Daltons Werk, das mehrere Gedichtbände, zwei Theaterstücke, einen Roman und den Lebensbericht des salvadorianischen Arbeiterführers Miguel Mármol umfasst, kann gleichermaßen als Höhepunkt wie als Modell engagierter und operativer Literatur angesehen werden. Auf deutsch erschienen vereinzelt Gedichte, der Roman »Armer kleiner Dichter, der ich war«, die historische Montage »Däumlings verbotene Geschichten« und der Lebensbericht »Die Welt ist ein hinkender Tausendfüßler«.

Die Diskussion bestreiten Roque Daltons Sohn, der Filmemacher Jorge Dalton, Horacio Castellanos Moya, der vielleicht radikalste der heutigen salvadorenischen Schriftsteller, die spanische Autorin Belén Gopegui, die dezidiert wider den Kapitalismus anschreibt und die in Berlin lebende österreichischen Autorin Katrin Röggla.


KPÖ Wien
http://wien.kpoe.at/article.php/20110413195216211