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Willkommen an der Uni!

SchülerInnen-Initiative"Herzlich Willkommen, herzlich Willkommen in uns'rer schönen neuen Welt", dass Culcha Candela nach meiner achtjährigen AHS-Laufbahn noch immer nicht Recht haben würden, hätte ich nicht gedacht.

Eigentlich sollte dieser Artikel noch Zukunftsmusik sein, weil ich nach 12 Jahren im Klassenzimmer endlich mal in der Welt lernen wollte. Aber wer hat schon Geld für eine Weltreise? Und vor allem: Wer macht sich auf, fremde Kulturen ganz allein zu erleben? Also auf in den Filter, pardon, die Uni. Streichen wir dieses pardon.

Nachdem ich mich für die TU entschieden habe, machte ich mich sofort- natürlich erst nachdem ich mich online angemeldet habe, damit "keine Wartezeiten entstehen" [Homepage TU]- auf den Weg. Weil aber die persönliche Anmeldung an drei Tagen der Woche in aller Herrgottsfrühe war, in der man entweder noch schläft oder schon arbeitet, ging ich am vierten Tag, an dem gnädigerweise nachmittags eine Stunde offen war bis -haltet euch fest- 16 Uhr.

Um ganz genau 16:02 Uhr wurde mir dort die Tür vor der Nase zugeschlagen. Warum? Sie hatten doch schließlich schon eine halbe Stunde früher aufgemacht, und wollten daher so pünktlich zu machen, dass sie nicht noch ein weiteres Maxi hineinlassen wollten(gesehen habe ich übrigens, dass bei vier Schaltern nur drei zukünftige Studenten standen). Also war ich eine halbe Stunde durch Wien gefahren, um zu erfahren, dass trotz aller Argumente meine Zeit und mein Geld (da meine Schülerfreifahrt im September nicht mehr galt, und ich 18 Jahre bin, brauchte ich einen Normalpreis- Fahrschein) verschwendet hatte. An dieser Stelle fiel mir etwas auf: angeblich lernen zu wenige Frauen technische Berufe und werden an Schulen dieser Zweige besonders gefördert, siehe die "Have a good time girls"-Plakate überall in der Technischen. Also doch nur Werbung und kein Ziel.

Nun gut, dadurch lasse ich mich nicht um mein Recht auf Bildung bringen. Am Tag der ersten Vorlesung war ich anwesend. Was aber nicht mein Verdienst war. Weil eine Überweisung vier Werktage braucht. Was hat das damit zu tun? Mein ÖH-Beitrag von rund 20 Euro musste via Erlagschein- und NUR damit- bei der Uni einlangen, damit ich auch wirklich drin war. Der Verdienst, die ersten paar Tage der Vorlesungen mit meiner Anwesenheit zu erfreuen, liegt bei einem Kommilitonen von mir. Da er schon online Informationen erhalten konnte (er war schon angemeldet, und konnte somit seinen Stundenplan einsehen) sagte er mir wo ich wann zu sein hatte. Bis dahin konnte ich mich für keine Vorlesungen eintragen-was ausschließlich online möglich war- und mir kein Semesterticket für die Wiener Linien kaufen. Nach diesen vier Tagen hatte ich endlich alle formalen Voraussetzungen zum Studieren erfüllt.

Damit zum Problem, das schon in den vergangenen Jahren durch die Medien gegeistert was: die Überfüllung der Universitäten. Ich habe lange überlegt, was der Grund dafür sein könnte, dass Studenten sehr bodenständige Menschen sind. Sind die Unis überfüllt? Sind die Hörsäle zu klein? Das Erste ist mit einem Vergleich zu beantworten: Klimawandel. Es musste so kommen, aber es kam zu schnell, als dass man sich darauf einstellen kann. Demografisch gesehen wird unsere Gesellschaft insgesamt älter. Das heißt aber auch, dass die zweite Babyboomwelle um 1990 irgendetwas lernen will. Arbeiten um den Hunger-, pardon, Mindestlohn? Lieber an die Uni, "was g'scheites lernen", und dann gleich halbwegs lebenserhaltend bezahlt werden. Darauf wollte in manchen Fächern mit Aufnahmeprüfungen reagiert werden. Unnötig.

Und wenn die Überfüllung etwas mit Raumgrößen zu tun hat? Wahrscheinlicher. Dem wurde zwar mit Spaltungen der Fächer in Gruppen halbwegs entgegengewirkt, aber wirklich praktisch ist das auch nicht. So sitzt zum Beispiel eine gute Freundin von mir bis 10 Uhr abends/nachts in Vorlesungen für Pharmazie. Selbst ich musste einige Fächer aufgeben, weil ich schlicht und einfach in einem Raum mit 400 Plätzen und 700 Leuten nichts lerne. Ich habe versucht, einen Sitzplatz zu bekommen, indem ich bis zu einer Stunde früher beim Hörsaal war. Nutzlos.

Und so haben wir ein System mit drei Leuten entwickelt: jeder geht in einzelne Vorlesungen und erklärt es dann den anderen. Anders würden wir es kaum zum Diplom schaffen.

Man sieht also, warum Studenten oft tagelang nichts Besseres zu tun haben als auf dem Boden zu sitzen.
Und ich habe gedacht, 35 Schüler in einer Klasse würden nichts lernen.

Kommentar von Tris Schwarz

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