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Genosse Klaus - Wir danken dir und wir denken an dich

Die KPÖ-WienAm 12. Jänner fand die Verabschiedung von Genossen Ludwig Klaus statt, der kürzlich im 102. Lebensjahr verstorben ist. Genosse Klaus war mehr als 8 Jahrzehnte KPÖ-Mitglied - organisiert in Ottakring und der Leopoldstadt.

Ludwig Klaus kam wenige Wochen vor dem Ausbruch des 1. Weltkriegs als lediges Kind zur Welt, weil die Mutter seines Vaters die Hochzeit der Eltern verhinderte. Und das ist kein leichter Start ins Leben damals – wenn man weiß, wie solche Kinder genannt wurden – und wie er es auch selbst auf der Straße hören musste. Seinen Vater hat er nie bewusst kennen gelernt, da er im 1. Weltkrieg getötet wurde. Doch der zweite Mann der Mutter, sein Stiefvater, hat ihn wie seinen eigenen Sohn angenommen und keinen Unterschied gemacht zu seinen Geschwistern Peppi, Karl und Helli. Diese Akzeptanz war für ihn prägend und wichtig und wurde ihm auf seinem weiteren Lebensweg Vorbild.

Er wuchs in einer Zeit auf, die für die Mehrheit der Bevölkerung Armut und Arbeitslosigkeit bedeutet hat. Nach der Friseurlehre gleich „ausgsteuert“, wie er immer gesagt hat. Es sollte sehr lange dauern – bis nach dem 2. Weltkrieg – bis zu einer regulären Arbeit in Frieden.

Auch Schulbildung konnte er wenig genießen, aber er war interessiert und aufmerksam und deshalb auch politisch engagiert. Nach seinen Möglichkeiten hat er gegen den Austrofaschismus gekämpft. Unter dem Decknamen 'Friseurpilot' nahm er an Straßenaktionen und Saalschlachten teil und warnte nach der Machtergreifung Hitlers in Deutschland: Hitler ist Krieg.

Und der, der das sagte, wurde ab dem ersten Tag eingezogen. Alles, was er gedacht hat während des Schreckens war – wie er da wieder raus kommt, wie er sich dem entziehen kann.

1943 im Fronturlaub heiratet er Emmi und 1944 in Frankreich bot sich die Gelegenheit – Er desertierte. Das hat er oft und mit den Jahren immer genauer erzählt. Er hatte sich das mit einem Freund und Gefährten ausgemacht: sobald sie Gelegenheit hätten.... Sein Freund hatte sich nicht getraut und hat nicht überlebt.

Seine Ablehnung des Krieges und seine Worte gegen die Ewiggestrigen und die Faschisten waren eindrücklich wie 'Le Deserteur' von Boris Vian:

Von klein auf sah ich das

Sah Väter, die krepieren

Sah Söhne losmarschieren

Sah Kinder tränennass

Sagt nein, wenn sie euch ziehen

Sagt nein zum Exerzieren

Sagt nein zum Kriegeführen

Sagt nein, und geht nicht hin!

Er desertierte und stellte sich den US-Amerikanern. Ein wichtiger Moment dabei in seinen Erzählungen ist der 1. Mai 1945 in einem Anti-Nazi-Lager in den USA – als die österreichischen Genossen alte Stoffe rot färben, um den Mai-Aufmarsch zu begehen. 1946 kommt er heim, zuerst nach Ottakring dann in die Leopoldstadt, mit nichts, als ein paar Büchern aus der Gefangenen-Bibliothek.

Aus diesem Nichts muss er sein Leben neu aufbauen und seine Familie, seine 2 Kinder Wickerl und Poldi versorgen. Und die Familie war sein Lebensmittelpunkt. Einmal sagte er: „Ich bin mit Hunger aufgestanden und mit Hunger ins Bett gegangen“. Doch seine Kinder kennen keinen Hunger. Das bedeutet, dass er für sie alles gegeben hat. Bis die Zeiten besser wurden.

Wir werden uns an dich erinnern als Mahner, an einen, der deutlich seine Meinung sagte, an einen Familienmenschen, der auch all seine Freunde und GenossInnen zur Familie zählte und du hast uns eine Weisheit mitgegeben, die wir in zukünftigen Lebenslagen alle beherzigen werden: In deinem kleinen Testament hast du geschrieben: Wir sollen teilen - „ohne Streit!“

Wir danken dir und wir denken an dich.

Melina Klaus,
Enkelin

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