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Kriminalstatistik 2016: Schrille Schlagzeilen und die Realität

Gestern wurde die Kriminalstatistik für 2016 präsentiert. Das Ergebnis in Kurzfassung: Die Häufigkeitszahl – darunter verstehen Statistiker die international vergleichbare Quote der Anzeigen je 100.000 Einwohner – lag österreichweit "bei 6.151 und damit dem zweitniedrigsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen."*

Unbeirrt von den Zahlen schüren Schundblätter und FPÖVP die Angst und wird der Bericht benutzt, um gegen Fremde im Allgemeinen und gegen asylsuchende Menschen im Besonderen zu hetzen.

Am aggressivsten und hetzerischsten wie immer Österreich: "Wien: Sexual-Attacken nehmen um 55,5 % zu" wird schon groß am Cover verkündet. Im Bericht auf Seite 4 wird über eine Explosion der Kriminalität durch Asylwerber gesprochen - auf selbst im Bericht des BMI auffindbare Hinweise - Opfer von tatverdächtigen Asylwerbern sind großteils andere AsylwerberInnen - wird verzichtet.

Im Wiener Lokal-Teil auf Seite 13 werden graphisch untermauert "Horror-Zahlen" präsentiert, die einzig und allein dazu dienen zu suggerieren, "Ausländer und Asylwerber machen Wien zum lebensgefährlichen Pflaster".

"Die Zahl der Straftaten in Wien stieg stark", behauptet Autor J. Galley im Artikel. Dass es in 5 von 10 vorliegenden Jahren in Wien eine höhere Zahl an Anzeigen (Anzeigen sind wohlgemerkt keine Verurteilungen) gab, wird ignoriert.** Und auch an dieser Stelle wird im Wiener Lokal-Teil auf Seite 13 nochmals die 55,5 Prozent Steigerung bei Sex-Attacken getrommelt.

Unerwähnt bleibt: Die Anzahl der Einbruchsdiebstähle in Wohnungen und Wohnhäuser ist um 12,7 Prozent gesunken. Die Anzahl der Anzeigen wegen Diebstahles von Kraftfahrzeugen (Pkw, Lkw, Krafträder) ist um 14,4 Prozent gesunken.

Unerwähnt bleibt auch, dass die Anzeigen wegen Raubes wie auch wegen schweren Raubes auch in Wien gesunken sind und die Anzahl der Banküberfälle stark gesunken ist. Und detto unerwähnt bleibt - da es nicht ins Bild passt - das im Bereich Cybercrime die Zahl der Anzeigen um 33,9 Prozent gestiegen ist und im Bereich der Wirtschaftskriminalität (wohl ebenfalls keine Domäne von Asylwerbern) eine Steigerung um 10,6 Prozent feststellbar ist.

Unerwähnt bleibt, dass in Wien 460.000 Menschen - obwohl sie vielfach seit Jahren oder Jahrzehnten hier leben, arbeiten und Steuern zahlen - aufgrund sehr restriktiver Gesetze als "Fremde" betrachtet und abgestempelt werden.

Am Cover von "Heute" sieht der/die Leserin - + 15 % Vergewaltigung. Dass es sich dabei z.B. in Wien um 343 Fälle handelt wird eher nur beiläufig erwähnt. Und niemand in der Heute-Redaktion ist offenbar aufgefallen, dass am Cover ein Anstieg 15 % verkündet wird, im Innenteil dann jedoch nur mehr von einem Anstieg von 8,5 % die Rede ist. Kein Wort davon, dass - laut wissenschaftlichen Studien - in rund 80 Prozent der Fälle die Täter die Partner oder Ex-Partner, Freunde/Bekannte, Nachbarn sind.***

Interessant, dass im Heute Bericht groß "55,5 % mehr Sex-Attacken als 2015" getitelt wird, dann aber doch auch festgehalten wird: "Die Polizei führt den starken Anstieg auf den `Grapsch-Paragrafen', der Anfang 2016 in Kraft trat, zurück."

Damit wir nicht missverstanden werden: Gewalt und sexuelle Gewalt sind kein Kavaliersdelikt und auch jeder einzelne Fall von sexueller Gewalt ist ein Gewaltakt zu viel.

FPÖ-Chef Strache meint sich jedenfalls bestätigt. Schon gestern erklärte er: "SPÖ und ÖVP haben zugelassen, dass unter dem Deckmantel des Asyls Kriminelle nach Österreich kommen und hier auch noch bleiben dürfen". Dass nur 22.289 von 270.160 ausgeforschten Tatverdächtigen AsylwerberInnen waren ignoriert Strache, der sich gern mit den Mitarbeitern des Menschenrechts-Experten Putin trifft.

"Wer die Gesetze Österreichs missachtet und sich durch kriminelle Handlungen bei seinen Gastgebern ‚bedankt‘, hat jedes Recht hier zu sein, verwirkt“, betonte Strache laut Aussendung weiters. Die Frage ist nur, wohin werden die kriminellen "Inländer" abgeschoben und wird nicht die FPÖ als Partei ziemlich schrumpfen, wenn alle gerichtlich verurteilten FPÖ-Mitglieder außer Landes gebracht werden.

Noch eine Anmerkung zum Thema "Ausländer-Kriminalität". Selbst wenn es null (0) AsylwerberInnen in Österreich gebe und selbst wenn sich keine Illegalen bzw. keine "Fremden ohne Beschäftigung" im Land befinden würden, so hätte es in ganz Österreich noch immer etwas mehr als 50.000 Anzeigen auf Kosten von Ausländern (aus Drittstaaten und der EU) und Touristen gegeben. Doch Obergrenzen für EU-BürgerInnen (fast 10.000 Anzeigen gab es gegen deutsche StaatsbürgerInnen) und TouristInnen (wobei mit Obergrenzen das Problem ja gar nicht wirklich gelöst wäre) fordern (noch?) weder das Boulevard noch Strache, Sobotka und Blümel. Aber vielleicht ändern die Herrschaften ihre Meinung ja noch.

Zum Thema "Hetze" siehe auch http://www.kpoe.at/innenpolitik/bunde...itspolitik

* http://wien.kpoe.at/article.php/krimi...gstmache-d
** http://www.bmi.gv.at/cms/cs03documentsbmi/1982.pdf - Seite 72ff
*** http://wien.kpoe.at/article.php/sexue...osterreich

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