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Im Gedenken an Franz Koritschoner

Franz Koritschoner wurde am 23. Februar 1892 in Wien geboren und am 7. Juni 1941 im Konzentrationslager Auschwitz umgebracht. Man weiß, dass er schon in jungen Jahren Mitglied und später Funktionär des Verbandes jugendlicher Arbeiter in Wien war, während des Ersten Weltkrieges zu den aktiven Kriegsgegnern gehörte und einer der leitenden Persönlichkeiten der linksradikalen Gruppen war, die in der Schweiz mit W.I. Lenin Verbindung hatten. Nach Beendigung des großen Jännerstreiks im Jahre 1918 wurde Koritschoner verhaftet und erst knapp vor dem Zusammenbruch der österreich-ungarischen Monarchie entlassen.

Koritschoner schlug Lenin schon Anfang 1915 vor, seine Artikel in deutscher Sprache zu drucken. Die Zeitschrift der Zimmerwalder Linken, "Vorbote", an der Lenin, K. Radek, G. Sinowjew, Henriette Roland Holst, A. Pannekoek und andere mitarbeiteten, veröffentlichte in ihrer ersten Ausgabe im Jänner 1916 Kortischoners Artikel "Opportunistische und radikale Tendenzen in der Sozialdemokratie Österreichs". Diese Arbeit liefert eine informative Analyse über die Haltungen der Arbeiterschaft und der Sozialdemokratischen Partei zu Beginn des Weltkrieges.

Koritschoner übermittelte Lenin mehrere Beiträge für russische Zeitungen, und am 14. Oktober 1916 fand eine persönliche Begegnung Koritschoners mit Lenin statt. In einem Brief an N.I. Bucharin schreibt Lenin über diese Begegnung: "Sehr gefreut habe ich mich auch über die Bekanntschaft mit Franz: mit ihm ist offensichtlich im Sinne bolschewistischer Propaganda ernsthaft gearbeitet worden; hier haben Sie wahrscheinlich ein großes Verdienst. Dieser Mensch bemüht sich, in die Sache einzudringen, und erweckt große Hoffnungen."

Am 4. Jänner 1917 traten Koritschoner und seine Freunde in einer Arbeiterversammlung in Hernals gegen den sozialdemokratischen Abgeordneten Volkert auf. "Wegen dieses Zwischenfalls wurde gegen Franz Koritschoner, stud. jur., XIX., Chimanistraße 29 die Amtshandlung nach § 327 M.St.G. eingeleitet?"
Koritschoner scheint mehrmals in den Akten des Innenministeriums und des Kriegsministeriums auf. In einem dieser Berichte heißt es: "daß Franz Koritschoner auch den Plan propagiert, Friedrich Adler aus dem Kerker zu befreien?"

Koritschoner hielt die Gründung der Kommunistischen Partei Österreichs für verfrüht, aber eine weitere Tätigkeit innerhalb der Sozialdemokratischen Partei nicht mehr für zweckmäßig. So trat er mit seiner Gruppe einige Monate später der KPÖ bei und gehörte im Mai 1919 bereits zu deren Führung. Koritschoner übte in der KPÖ verschiedene leitende Funktionen aus und nahm bis zum Jahre 1926 auch an den fraktionellen politischen Auseinandersetzungen teil. In der Kommunistischen Internationale wirkte er aktiv an deren Kongressen und Beratungen mit.

Von 1926 an war er in der Roten Gewerkschaftsinternationale in Moskau beschäftigt. Dort entfaltete er eine reiche publizistische Tätigkeit und war einer der engsten Mitarbeiter von A. Losowsky, dem bedeutendsten Leiter der R. G. I. 1937 wurde F. Koritschoner unter falschen Beschuldigungen verhaftet und bis 1940 in verschiedenen Gefängnissen und Lagern gehalten. Anfang April 1941 lieferten die Behörden der UdSSR Koritschoner an der deutsch-sowjetischen Grenze bei Lublin an die Gestapo aus. Diese brachte ihn als Sonderhäftling in das Polizeigefangenenhaus in Wien, später ins Landesgericht und zeitweise aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes in das Inquisitenspital. Am 3. Juni 1941 erfolgte die Überstellung in das KZ Auschwitz, wo er schon nach einigen Tagen (9. Juni) umgebracht wurde.

Im Zuge der Überprüfungen ungerechtfertigter Verhaftungen und Verurteilungen durch die Justizorgane der UdSSR nach dem 20. Parteitag der KPdSU wurde Koritschoner postum rehabilitiert. Bisher liegt über diesen bedeutenden und begabten Funktionär der österreichischen Arbeiterbewegung noch keine Biographie vor.

Herbert Steiner

Herbert Steiner ist am 26. Mai 2001 verstorben. Er arbeitete an der Ferstigstellung einer umfangreichen Biographie Koritschoners — gedacht als Einleitung zu einer Ausgabe von Texten dieses Pioniers der revolutionären österreichischen Gewerkschaftsbewegung und Mitbegründer der kommunistischen Bewegung in Österreich. Die von Steiner gesammelten Manuskripte werden z. Zt. gesichtet und sollen in geeigneter Weise publiziert werden.

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