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Es sei Tatsache

... wenn FPÖ-Politiker einen Satz so beginnen, dann kann vermutet werden, dass Hetze gegen Menschen folgt, aber nicht von Tatsachen geredet wird.

Am 10. Dezember behauptete die FPÖ: "Es sei Tatsache, dass etwa 2/3 der jungen Moslems die Regeln des Islam -vor allem die Geschlechterrolle und die Ehre betreffend – über die Regeln des hiesigen Rechts- und Gesellschaftssystems stellen."

Auf welche Studie die FP sich bezieht, bleibt aber unklar. Umso klarer die Forderungen der FP-Rassisten: Eine "Parallelgesellschaft" könne und dürfe nicht geduldet werden - "integrationsunwillige Zuwanderer" seien "gezielt" rückzuführen.

Lassen wir ganz einfach Zahlen sprechen - obwohl diese aus einer durchaus "umstrittenen" Studie, welche das Innenministerium in Auftrag gegeben hat, kommen.



Auf Seite 23 der Studie „Integration in Österreich“ (Numerierung laut Acrobat-Reader) ist zu lesen: "Über drei Viertel (78%) der MigrantInnen halten die Verpflichtung zum Erlernen der deutschen Sprache für eine funktionierende Integration für sehr wichtig, weitere 20 Prozent für eher wichtig“.

Und auf Seite 46 der Studie ist zu lesen: "Die große Mehrheit tritt uneingeschränkt (drei Viertel) bzw. eher (ein weiteres Sechstel) für grundlegende demokratische Werte und Meinungsfreiheit ein. Die entsprechenden Werte entsprechen grosso modo jenen der österreichischen Mehrheitsbevölkerung."

Auf die etwas seltsame Frage „Was ist für Sie persönlich wichtiger: Die Gesetze und Vorschriften Ihrer Religion oder die Gesetze und Vorschriften des österreichischen Staates?“ (Seite 17) antworten 28 % aller befragten MigrantInnen, dass die Gesetze und Vorschriften ihrer Religion wichtiger wären - unter türkisch(stämmig)en Muslimen sind es aber 57 %.

Fragt sich, ob eine Gegenüberstellung religiöser Ge- und Verbote und staatlicher Gesetze Sinn macht – da staatliche Gesetz, ob gewollt oder nicht gewollt, ob befürwortet oder abgelehnt, für alle BürgerInnen gelten, deren Übertretung gesetzlich sanktioniert wird. Während Religion von „Nicht-Hardlinern“ doch eher als Privatsache betrachtet wird.

Doch die wahrhaft interessanten Zahlen werden 1 Seite weiter präsentiert – die Kombination von Religionsbekenntnis und religiös-politischer Orientierung bringt Typologien zu Tage. 15 Prozent der befragten MigrantInnen sind – laut Studie – als „Muslimisch-religiös-politisch“ zu klassifizieren. Doch immerhin 12 Prozent der MigrantInnen sind als „Christlich-religiös-politisch“ zu klassifizieren.

Dass Menschen, die die Welt vom religiösen Standpunkt aus betrachten – egal welcher Religion sie angehören – sich nicht selten mit Sitten und Umgangsformen moderner Gesellschaften und bestimmten Gesetzen schwer tun, zeigt ja nicht nur die sture und starre Haltung der katholischen Kirche und von hunderttausenden Gläubigen in Polen, Spanien oder Irland z.b. zum Thema Schwangerschaftsabbruch.

Ziemlich konterkarriert wird die Typologie der Studie zugleich dadurch, dass sich zwei Drittel (64%) (Seite 41) der Befragten „für die Trennung von Staat und Religion“ aussprechen. Die Zustimmung zur Trennung von Staat und Religion ist in der oberen Bildungsschicht (71% der Maturanten und Akademiker) und bei qualifizierten Beschäftigten höher. Der Zusammenhang mit Religiosität ist offensichtlich: Säkulare Muslime votieren zu 80 Prozent für die Trennung von Staat und Religion.

Abschließend noch Zahlen von Seite 47: 92 % der türkischen Migranten sind der Meinung "Jeder Bürger sollte das Recht haben, für seine Überzeugungen auf die Straße zu gehen." Auf selbige Fragen antworten aber nur 82% der "Eingeborenen ÖsterreicherInnen" mit Ja - ob der Rest der "Eingeborenen", welcher Verfassungsrechte offenbar für entbehrlich erachtet, ebenso wie Strache & Co in entlegene Gebiete des Amazonas oder auf den Mond verfrachtet werden soll, haben bis dato aber weder der Verfassungsschutz noch das Parlament beantwortet.

Didi Zach

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