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Willi Kroupa - Ein unermüdlicher Kämpfer

  • Thursday, 25. January 2007 @ 11:36
Sehr spannend - über fast 3 Stunden hinweg - war der am 24. Jänner durchgeführte Vortragsabend mit Genossen Willi Kroupa im 7stern. Kroupa (geb. 1915, und nachwievor unermüdlich tätig) berichtete - versehen mit vielen kleinen Geschichten und Pointen - über Kindheit, Jugend und Widerstandskampf gegen Austro- und Nazifaschismus. Schon in der Kindheit erlebt er das Elend hunderttausender Menschen, welches durch die Abwälzung der wirtschaftlichen Krise auf die Arbeiterklasse verursacht wurde - und unnachvollziehbar ist ihm, wie ein Geistlicher (Prälat und Bundeskanzler Ignaz Seipel) auf demonstrierende Arbeiter (Juli 1927) schiessen lassen kann.

Eigentlich will Willi Lehrer werden - doch zur Ergreifung dieses Berufes fehlen die finanziellen Mittel - so wird er Schriftsetzer.

1929 wird er Mitglied bei der SAJ (Sozialistisches Arbeiterjugend) und natürlich ist er auch in der Gewerkschaftsjugend aktiv.

Kaum SAJ-Mitglied wird er verantwortlich für die Kassierung mehrerer hundert Mitglieder - "die Zahlungsmoral war nicht sehr groß".

Später wird er Bildungsverantwortlicher auf Bezirksebene - Vorgesetzter ist ein gewisser Bruno Kreisky, "der schon damals keinen Widerspruch duldete".

Eindrucksvoll schilderte Willi das politische Credo der Sozialdemokratie, welches hunderttausenden Mitglieder einleuchtend war - "Es ist notwendig, die Mehrheit im Parlament zu erringen, denn dann werden und können wir den Sozialismus auf friedlichem Wege einführen". Dass Otto Bauer und andere austromarxistische Spitzenfunktionäre nach dem Studium der marxistischen Klassiker eigentlich wissen hätten müssen, dass die herrschende Klasse nicht widerstandslos abtritt, vermerkt Kroupa süffisant in einem Nebensatz.

Interessant auch die Eindrücke von Gen. Kroupa zum Februar 1934 - Als der Strom abgeschaltet wurde, war klar, was dies bedeutet. Wir führten eine Betriebsversammlung durch und wir versuchten Kontakt zu anderen Betrieben aufzunehmen. Dann begaben sich viele zum vereinbarten Schutzbund-Treffpunkt. Nachdem ein Polizeistation problemlos entwaffnet worden war, verfügten wir zwar über 7 Gewehre und Berge von Munition, aber insgesamt war es ein Desaster, denn der sozialdemokratische Genosse, der für das geheime Waffendepot unser Schutzbundstelle verantwortlich war, hatte sich freiwillig in Schutzhaft begeben.

Zwei Mal war Gen. Kroupa unter dem Austrofaschismus inhaftiert - kurz nach dem Einmarsch der Nazis im März 1938 wird er erneut verhaftet, doch er kommt rasch wieder auf freien Fuß.

Noch 1938 wird er zur Wehrmacht einberufen - der Hinweis im Lebenslauf, dass er seit 1934 im KJV (Kommunistischen Jugend Verband) aktiv war, stempelt im zum "politisch Unzuverlässigen", womit er vorerst wieder "abrüsten" kann.

Doch mit Kriegsbeginn wird er erneut eingezogen. Es gelingt Kroupa mit Hilfe kleiner Tricks - der Gradfahrer steuert sein Arbeisgerät gegen einen Baum - in die Sanitätsabteilung zu kommen, wo er sich langsam aber sicher aufgrund seiner Schreib- und Lateinkenntnisse unersetzlich macht. Doch zugleich erlebt er die Schrecken des Krieges hautnah.

Kroupa sinngemäß zur Frage, ob er denn nie zweifelte - Ich war immer optimistisch, dass es uns gelingt, den Faschismus zu besiegen. Doch der Überfall auf die Sowjetunion, die bitteren sowjetischen Niederlagen der ersten Wochen und Monate, die das angebliche Genie Stalin nicht verhindern konnte, bereiten mir ähnlich großen Schmerz wie die traurigen Ereignisse des Februar 1934. Und ich konnte schon vorher nicht nachvollziehen, dass die verdienten Genossen Bucharin, Rykow und wie sie alle geheißen habe, Spione und Agenten fremder Mächte gewesen sind.

Als Willi im Herbst 1945 nach Wien zurückkehrt, ist er nicht so optimistisch wie viele andere Genossen und Genossinnen - "ich dachte mir, dass mehr als 4, 5 Mandate nicht möglich sein werden".

Seit damals ist viel geschehen - doch klar ist für Gen. Kroupa, dass es zur politischen Tätigkeit keine Alternative gibt. So bereitet er auch für dieses Jahr wieder die Grete Jost Gedenkveranstaltung vor, die am 17. Februar im Rabenhof stattfindet. So fehlt er an fast keiner Besprechung seiner Bezirksgruppe und auch am Volksstimmefest wird Genosse Kroupa natürlich zugegen sein.

"Ein großes Danke, dir lieber Genosse Kroupa, für die vielen, vielen Jahre deiner Tätigkeit", so KPÖ-Landessprecher Didi Zach am Ende der äußerst interessanten Veranstaltung, die sich mehr Publikumsinteresse verdient hätte.

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