Patriarchat und Sexismus: Was können Männer dagegen tun?

Das patriarchale System ist ein System von struktureller Unterdrückung der Frauen. Das System schafft Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, zwar im Interesse der Männer aber nicht nur von Männern aufrechterhalten. Es wird auch von Frauen und LGBTQIA+ Personen gestützt und mit aufrechterhalten. Auf die Frage „Frauen – Opfer oder Täter oder beides?“ – kann man mit beides, aber nicht zu gleichen Teilen, antworten. Zudem gibt es noch viele andere Herrschaftsknoten, Unterdrückungen und Diskriminierungen. Eine weiße, in Österreich geborene, reiche Frau wird es leichter haben als ein schwarzer, geflüchteter Mann. Man kann Diskriminierungen nicht gegeneinander ausspielen, auch werden, wenn nur ein Herrschaftsknoten in Angriff genommen wird, die anderen dabei oft festgezurrt. Wir müssen alles im Blick haben.

„Frau sein allein ist kein Programm.“ Frauen und LGBTQIA+ Personen sind nicht automatisch bessere Menschen. Frauen können genauso gewaltvoll kommunizieren, persönliche Grenzen überschreiten und Fehler machen.Im Falle eines Übergriffs – Zuhören und sich in Verständnis üben.

Die Erfahrungen von Frauen und LGBTQIA+ ernst nehmen, nicht bagatellisieren, relativieren, wenn man von einem blöden Schmäh, einer verletzenden Aussage, einem Übergriff erzählt bekommt. Betroffene dürfen selbst definieren, ab wann ihre Grenze überschritten wird. Was für eine Frau verletzend ist mag für eine andere noch tolerabel sein. Niemand anderes kann das für die Einzelne definieren. Das Strafgesetzbuch deckt so manche Tatbestände ab, aber da es sich auch bei der Justiz um eine patriarchale Institution handelt, deckt es bei Weitem nicht alle Grenzüberschreitungen, Verletzungen und Übergriffe ab. Es sollte aber sowieso nicht die bürgerliche Justiz unseren Umgang miteinander definieren, sondern Respekt, Wertschätzung, Solidarität und Gemeinschaftlichkeit. Gleichzeitig sind wir natürlich alle nicht die perfekten Menschen und werden es nie sein.

Unachtsamkeiten, Fehler, Blödheiten und Grenzüberschreitungen passieren ständig – auch bei uns in der KPÖ, auch durch uns selbst.Nicht unerwähnt soll bleiben auch, dass es auch in linken Organisationen und in der KPÖ vielfach Ungleichheit in der Rollenverteilung und Arbeitsteilung gibt. Es ist kein Zufall, dass beim Einlass zu Konferenzen und Parteitagen oft nur Frauen sitzen, ihnen die Rolle der Organisatorinnen, das Herstellen der guten Rahmenbedingungen und der Atmosphäre für den politischen Austausch zukommt, im politischen Austausch selbst Frauen weniger oft das Wort ergreifen.

Was können Männer tun? Es ist eine große Unterstützung und Erleichterung, wenn nicht immer Frauen und LGBTQIA+ Personen selbst auf die Barrikaden gehen, das Wort erheben müssen, wenn ein „blöder Schmäh“, eine sexistische, verletzende Aussage oder ein verbaler oder tätlicher Übergriff passiert. Bevor eingegriffen wird, ist es aber sinnvoll, die Betroffene(n) zu konsultieren. Geht es direkt gegen eine Frau oder LGBTQIA+ Person, soll diese auch bestimmen dürfen, wie etwas diskutiert und wie damit umgegangen wird. Vielleicht will die Betroffene gar (noch) nicht, dass jemand anderes, die Gruppe, die Partei, davon erfährt. Vielleicht will sie (noch) nicht, dass der Täter zur Rede gestellt wird, vielleicht ist es auch einfach überfordernd sofort einen Umgang zu finden. Dann ist Abwarten und Rückenstärken angesagt.

Voreilige „Hilfe“ kann auch bevormundend und paternalistisch sein. Aber meistens ist es schon klar, wie unmittelbar zu reagieren ist. Auf eine allgemeine sexistische Meldung kann die beherzte Antwort kommen, dass diese nicht angebracht ist. Wenn jemand ein sexistisches T-Shirt trägt, kann derjenige gebeten werden, es umzudrehen oder den Saal/Zusammenhang zu verlassen. Wenn jemand einer anderen Person ins Wort fällt, hilft ein „bitte lass sie ausreden“.

Es sind oft kleine freundliche Gesten, die das miteinander Auskommen besser machen. Verbündeter zu sein kann auch heißen, mal die sonst typisch weibliche, sorgende Rolle zu übernehmen, Rahmenbedingungen zu gestalten, abzuwaschen, Leute in Gespräch(srunden) aktiv einbeziehen, nach ihrer Meinung zu fragen, zu fragen, wie es geht. Es heißt auch, sich auf Frauen und LGBTQIA+ personen und nicht nur auf Männer beziehen, Bücher zum Thema Patriarchat und Sexismus zu lesen, sich selbst schlau zu machen und nicht drauf warten, dass die Frauen die (nachholende) feministische Bildungsarbeit leisten.