Protest gegen Aufrüstung regt sich: Von der KZ-Produktionsstätte zum Austragungsort einer militärischen Drohnen-Konferenz

Pressestelle - Wien

18. September 2025

KPÖ LIESING| FRIEDENSPOLITIK

Die Veranstalter sind stolz darauf, dass ihre Konferenz in historischen Hallen stattfindet: »Das auf der Simmeringer Haide gelegene ziegelrote Backsteingebäude überzeugt mit seiner Werkshallen-Architektur und seinem militärhistorischen Konnex: Auf dem Gelände wurde von den österreichischen Saurerwerken einst der Saurer-Schützenpanzer entwickelt und produziert«. Bemerkenswert unerwähnt bleibt, dass in diesen Hallen einst KZ-Häftlinge unter brutalen Bedingungen zur Arbeit gezwungen wurden.

An der Stelle des ehemaligen KZ Saurer-Werke, einem Außenlager des KZ Mauthausen, befindet sich heute das Gelände der Firma LGV Frischgemüse Wien. Ein kleiner Gedenkstein neben der Kantine erinnert noch an das Lager, wie auch eine jährliche Gedenkveranstaltung rund um den Tag der Befreiung. Die eigentliche Produktionsstätte der Panzer befand sich jedoch schräg gegenüber in den Werkshallen der Saurer-Werke in der Haidequerstraße. Also da, wo sich dieser Tage hochrangige Militärs gemeinsam mit Vertretern der Rüstungsindustrie über das Geschäft mit Drohnen als tödliche Kriegswaffen austauschen wollen.

Das KZ Saurer-Werke

Die KZ-Häftlinge arbeiteten dort ab 1944 in der Fertigung von Panzerschleppern im Werk 2 der Saurer-Werke. Da das Werksareal zu klein war, wurden schließlich auch zwei große Säle im Untergeschoß des nahe gelegenen Schlosses Neugebäude für die Rüstungsproduktion verwendet. So wie auch andere Konzentrationslager war auch das Außenlager Saurer-Werke der SS unterstellt. SS-Hauptsturmführer Johann Gärtner war Lagerkommandant. Vier Mauthausener SS Offiziere, 46 SS-Unteroffiziere sowie 85 weitere SS-Angehörige bewachten die rund 1.500 KZ-Häftlinge.

Der Kommunist Franz Kalteis, seit 1939 durchgehend in Konzentrationslagern inhaftiert – zuletzt mit dem zynischen Vermerk »Zur Vernichtung durch Arbeit« in das KZ Mauthausen eingewiesen, wurde im Auftrag des illegalen Widerstandskomitees Mauthausen mit dem ersten Häftlings-Transport nach Wien-Simmering verschickt. Als Lagerältester sollte er im neuen Außenlager für bessere Haftbedingungen gegenüber der SS-Lagerleitung eintreten, um die Todesrate unter den KZ-Häftlingen möglichst gering zu halten.

Kalteis erinnert sich an seinen Transport nach Simmering: »Ich fuhr also im Sommer 1944, glaublich im Juli, mit einem Transport von 100 Häftlingen, hauptsächlich Polen, Russen, Franzosen und Italiener unter dem Kommando eines reichsdeutschen Oberscharführers und in Begleitung von ca. 25 bis 30 SS-Leuten nach Wien. Auf dem Gelände der Simmeringer Haide, Wien 11., 2. Haidequerstraße, befand sich ein Barackenlager, das bis zu unserer Ankunft als Lager für Zivil-Internierte und Kriegsgefangene gedient hatte und nun von unserem Kommando sozusagen als Miniatur-Konzentrationslager für einen später geplanten Stand von ungefähr 1.500 Häftlingen ausgebaut werden sollte.«

Andere Überlebende berichteten später, dass sie von zivilen Arbeitern der Saurer-Werke immer wieder Solidarität erfuhren. So wurden ihnen Zigaretten oder Lebensmittel zugesteckt. Dies wurde von Firmenleitung allerdings bald unter strenge Strafe gestellt. So erinnert sich Fritz Konir: »Jede Nacht gab es die gleichen Szenen. Die österreichischen Arbeiter und Meister duldeten das Schlagen nicht. Sie warfen halbe Zigaretten als ‚Tschick‘ weg, sie vergaßen ihr Jausenbrot auf irgendeiner Werkbank. Einige Tage später hing im ganzen Betrieb ein Anschlag: Wenn die Sympathiekundgebungen der deutschen Gefolgschaft mit den Häftlingen nicht aufhören, wird mit Verhaftungen vorgegangen.«

Jenseits dieser kleinen Gesten der Solidarität waren die Arbeitsbedingungen jedoch mehr als schwer. Insgesamt 40 KZ-Häftlinge gingen in den wenigen Monaten bis zum Kriegsende zu Grunde.

Widerstand im Lager

Nach dem Vorbild des Stammlagers Mauthausen gründete sich auch in Simmering eine illegale Widerstandsorganisation der Häftlinge bestehend aus Vertretern aller im Lager vertretenen Nationen und politischen Richtungen. Geleitet wurde diese von Walter Ehlen, einem Funktionär des deutschen Kommunistischen Jugendverbandes. Die Organisation sollte einerseits Beweise für die Verbrechen der SS sammeln und andererseits ausgesuchten Gefangenen zur Flucht verhelfen, um Kontakt mit dem antifaschistischen Widerstand vor Ort aufzunehmen.

So konnte der spätere KPÖ-Gemeinderats- und Landtagsabgeordnete Josef Lauscher im Februar 1945 aus dem Lager fliehen. Lauscher, der selbst aus Simmering kam, sollte sich nach seiner Flucht bei Genoss:innen im Bezirk bis zum Eintreffen der Roten Armee verstecken. Beim Eintreffen der Roten Armee an der östlichen Stadtgrenze sollte er diese empfangen und für eine rasche Befreiung des KZs, wie auch anderer Orte helfen, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden.

Befreiung des Lagers

Am 8. April 1945 wurden das KZ Sauerer-Werke von der Roten Armee befreit. Eine Woche zuvor noch mussten 1.276 Häftlinge das Lager zu Fuß in Richtung Stammlager Mauthausen verlassen. 1.076 Häftlinge überlebten diesen Todesmarsch in den letzten Kriegstagen.

Bemerkenswert ist, dass kranke Häftlinge in Simmering ihre Befreiung erleben konnten. Der Befehl aus der Lagerleitung des KZ-Mauthausen lautete eigentlich anders. Kranke und geh-unfähige Häftlinge waren sofort zu ermordern. Im KZ-Saurer-Werke suchte der Lagerälteste Franz Kalteis jedoch ein Gespräch mit dem SS-Kommandanten unter vier Augen. Dabei konnte er diesen überzeugen, die kranken Häftlinge in Simmering lebendig zurückzulassen. Kalteis gab dem SS-Kommandanten Gärtner dafür sein Wort, in einem späteren Gerichtsprozess für diesen darüber auszusagen.

Proteste gegen Aufrüstung angekündigt

Österreich ist dabei ein vergleichsweise wichtiger Waffenexporteur.In diesem Beitrag habe ich vor rund 10 Jahren darüber geschrieben.Anlass für meine Recherche damals war eine Anfragebeantwortung durch das Innenministerium (BMI), die ans Licht brachte, dass zuvor die Ausfuhr von 150.000 Splittergranaten der »Rheinmetall Waffe Munition Arges GmbH« aus Österreich nach Abu Dhabi genehmigt wurde. Das Thema ist heute, in Zeiten einer umfassenden Aufrüstung und Militarisierung, aktueller denn je. So produziert Rheinmetall etwa auch militärische Fahrzeuge in Wien-Liesing, dem Bezirk, in dem ich KPÖ-Bezirksrat bin.

Aber auch als Hauptsponsor einer militärischen Drohnen-Konferenz tritt der Waffenkonzern,gegen den es internationalen Protest gibt, auf. Unter dem Titel »Drohnen töten – Nein zu Aufrüstung und Krieg!« ruft eine Aktionsplattform mit Beteiligung der KPÖ am Dienstag, 23. September, um 17 Uhr zu Protesten auf.

Gerade der Austragungsort der Drohnen-Konferenz, in einer ehemaligen KZ-Produktionsstätte, lässt dabei an den vom österreichischen Kommunisten Heinrich Dürmayer am 16. Mai 1945 im Namen aller ehemaligen politischen Häftlinge verlesenen „Mauthausen-Schwur“ erinnern. So heißt es: »Der Friede und die Freiheit sind die Garantien des Glücks der Völker, und der Aufbau der Welt auf neuen Grundlagen sozialer und nationaler Gerechtigkeit ist der einzige Weg zur friedlichen Zusammenarbeit der Staaten und Völker.«

  • Nikolaus Domes: Josef Lauscher – eine Jugend in der kommunistischen Bewegung Österreichs (AKG 3/22)
  • Herbert Exenberger: 2. April 1945 – Evakuierung des KZ-Nebenlagers Saurer-Werke (Simmeringer Museumsblätter)
  • Robert Vorberg: Geschichte des KZ-Außenlagers Saurer-Werke. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 2013
  • Herbert Exenberger: 2. April 1945 – Evakuierung des KZ-Nebenlagers Saurer-Werke (Simmeringer Museumsblätter)
  • Robert Vorberg: Geschichte des KZ-Außenlagers Saurer-Werke. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 2013
  • Robert Vorberg: Geschichte des KZ-Außenlagers Saurer-Werke. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 2013

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