Skandal um Verkauf von “buntem” Hochhaus

Pressestelle - Wien

15. Juli 2025

Wo ursprünglich überwiegend geförderter Wohnbau entstehen sollte, ragt jetzt in der Brigittenau ein “buntes” Hochhaus mit Luxuswohnungen im Besitz eines US-amerikanischen Immobilienkonzerns empor. Die KPÖ deckt exorbitante Mietpreise, skandalöse Flächenverkäufe durch stadteigene Unternehmen sowie Kurzzeitvermietung als Strategie zur Umgehung leistbaren Wohnbaus auf. “Das “bunte” Hochhaus ist ein Monument des Versagens der Stadtregierung. Statt der versprochenen leistbaren Wohnungen entsteht dort ein bewachtes Luxusghetto, sinnbildlich für alles, was der Bevölkerung am Nordwestbahnhof droht.”, so Matthias Kaltenböck, Bezirksrat der KPÖ.

In der Dresdner Straße 90 im 20. Bezirk wurde vor kurzem ein 80 Meter hohes, als “buntes Hochhaus” bezeichnetes Gebäude fertiggestellt. Neben dem markanten Aussehen mit verschiedenfarbigen Balkonen, wird vor allem die Höhe der Mieten im Bezirk kontrovers diskutiert.Neben 262 Luxuswohnungen werden auch 120 hochpreisige Apartments zur Kurzzeitvermietung angeboten. Eine Wohnung mit 67 m2Wohnfläche kostet 2.421€ Kaltmietepro Monat, das entspricht mehr als 150%des durchschnittlichen Einkommens eines Brigittenauers. Für die teuerste Wohnung legt man sogar knapp 3.500€ hin und das in einem der ärmsten BezirkeWiens.Beworben wird das Hochhaus vom US-amerikanischen Eigentümer, mit 24h Sicherheitsüberwachung, einem eigenen Podcast Studio, einem “Private Dinning” Raum und Betreuung der zahlungsfreudigen Mieter mit eigener Rezeption.

“Anstatt eines abgeschotteten, 24h bewachten Luxusghetto-Hochhauses brauchen wir Gemeindebauten mit Wohnungen, die sich die normale Bevölkerung auch leisten kann. Jede freifinanzierte Wohnung ist eine zu viel”, so Matthias Kaltenböck, Klubvorsitzender der KPÖ Brigittenau, zum Luxushochhaus.

Skandal um Verkauf, Umwidmung und Kurzzeitvermietung: Vom geförderten Wohnbau im Besitz der Stadt zur US-Luxusimmobilie

Der Vermietung der Wohnungen zu hohen Preisen geht eine zweifelhafte Verkaufsgeschichte von Fläche und Gebäude vom städtischen Wohnbauträger an einen privaten Bauträger und schließlich an einen US Immobilienkonzern voraus. 2013 wurde die Flächevon Arwag und Migra, beides Wohnbaugesellschaften die zum überwiegenden Teil der Stadt Wien gehören, um 6 Millionen Euro erworben.Noch 2016 wurde das Projekt als Vorzeigeprojekt für leistbaren Wohnbau präsentiert – mit dem Versprechen, dass von den damals geplanten 400 Wohnungen mindestens die Hälfte geförderter Wohnbau sein werde.Von diesem Versprechen blieben im zwischen Arwag, Migra und Stadt Wien abgeschlossenen Vertrag 2017 nur mehr ein Drittel geförderte Wohnungen und das gesichert auf lediglich 10 Jahre übrig.Der Gemeinderatänderte die Flächenwidmungund ermöglichte damit den Bau eines Hochhauses, eine massive Wertsteigerung der Fläche. Ohne Information der Öffentlichkeit und noch vor dem Baustart folgte 2018 der nächste Skandal: Die stadteigenen Unternehmen Arwag und Migra verkauften die Fläche der Dresdner Straße 90 um 28 Millionen Euro an die private S+B Projektentwicklungs GmbH.Noch vor dem Spatenstich wurde 2022 das gesamte Gebäude um 180 Millionen Euroan den milliardenschweren US-amerikanischen Immobilienkonzern Greystar weiterverkauft. Neben den 262 Luxuswohnungen vermietet Greystar ab August in den Stockwerken 1-5 auch 120 sogenannte “Serviced Apartments” – Kurzzeitvermietungzu noch höheren Preisen. Dabei handelt es sich um eine Umgehungsstrategie, bewilligt durch die Stadt Wien, um das gesamte Haus für Luxuswohnungen zu nutzen. Wären diese Apartments – die de facto baugleich mit den anderen Wohnungen sind– ordnungsgemäß als Wohnraum gewidmet, müssten 40 davon zumindest als geförderter Wohnbau zu günstigeren Preisen vermietet werden. Nur so wäre der Vertragmit einem Drittel leistbarer Wohnungen erfüllt – ein Vertrag, der auch das angrenzende Grundstück umfasst, auf dem 136 geförderte Wohnungen von Migra errichtet wurden.Die KPÖ ortete einen massiven Skandal im Flächenverkauf, kritisiert das Vorgehen der Kurzzeitvermietung und fordert die zuständige SPÖ Stadträtin Gaál dazu auf die Bewilligung für die Serviced Apartments nicht zu erteilen. Außerdem wird ein umgehendes Verbot solcher Umgehungsstrategien durch die Stadtregierung gefordert.

“Der Ausverkauf von Flächen für leistbaren Wohnbau durch stadteigene Unternehmenan einen milliardenschweren US-amerikanischen Immobilienhai und die erneute Komplizenschaft der Stadtregierung leistbaren Wohnbau zu verhindern, ist ein handfester Skandal! Die Stadtregierung muss dafür endlich zur Rechenschaft gezogen werden”, so Kaltenböck von der KPÖ weiter.

KPÖ sieht ”buntes” Hochhaus als “Tor zum Luxusghetto Nordwestbahnhof”

Stehen die Skandale rund um die Dresdner Straße 90 auch stellvertretend für das angrenzende Stadtentwicklungsgebiet Nordwestbahnhof? Auf der Homepage der Stadt Wiensowie vom Bauträgerwird das “bunte” Hochhaus als “Eingangstor zum Nordwestbahnhof” beworben. In den kommenden 10 Jahren sollen dort Wohnungen für 16.000 Menschenentstehen. Die Richtlinien für geförderten Wohnbau sehen mindestens 66% geförderter Wohnbau vor, geplant sind jetzt aber nur maximal 60%, davon nur ein Drittel Gemeindebau.Zudem sollen vier weitere Hochhäuser mit mindestens 80 Metern Höhe, entsprechend dem Vorbild in der Dresdner Straße gebaut werden, wofür unter anderem eine Kleingartensiedlungweichen soll.Die KPÖ warnt: Der derzeitige Plan zum Nordwestbahnhof droht, den Skandal der Dresdner Straße 90 zu wiederholen. Es sei erneut mit Luxuswohnungen, Kurzzeitvermietungen und damit verbunden mit Mieterhöhungen im gesamten Bezirk zu rechnen. Deswegen lehnt die KPÖ den Nordwestbahnhof Plan ab, fordert ausschließlich Gemeindewohnungen zu bauen und eine Garantie für leistbares Wohnen.

“Wir wollen nicht, dass am Nordwestbahnhofareal ein weiteres abgeschottetes Luxusghetto mit unbezahlbaren Wohnungen entsteht, worauf das “bunte” Hochhaus einen bitteren Vorgeschmack gibt. Die Stadtregierung muss endlich leistbaren Wohnbau im Interesse der Bevölkerung umsetzen“, so Matthias Kaltenböck von der KPÖ abschließend.