Insider berichten: Hitzetote und Überbelastung in Pensionistenheimen und Rettungsorganisationen


Insider berichten: Hitzetote und Überbelastung in Pensionistenheimen und Rettungsorganisationen
Pressestelle - Wien
17. Juli 2026
„Katastrophale, lebensbedrohliche Bedingungen für Patient:innen und Arbeiter:innen”. Nach einer Aussendung der KPÖ Wien¹ haben sich mehrere Mitarbeiter:innen von Wiener Rettungsorganisationen bei der Partei gemeldet. Vulnerable Menschen liegen in nicht-klimatisierten Betten. Trotz vorhergesagter Hitzewellen gibt es keinen Notfallplan für die Wiener Berufsrettung.
Der 2025 vorgestellte, 67-seitige ‘Wiener Hitzeaktionsplan‘ enthält keinerlei Vorkehrungen für eine hitzebedingte Überlastung der Rettungsorganisationen, auch nicht der Magistratsabteilung 70, die Wiener Berufsrettung. Mario Memoli, Landessprecher der KPÖ Wien dazu: „Vor Silvester und dem Donauinselfest gibt es eine Vorsorgestrategie, weil mit mehr Notfällen zu rechnen ist. Bei schon Wochen zuvor vorhergesagten Hitzewellen verschließt die Politik die Augen und tut so, als wären jegliche Vorkehrungsmaßnahmen außerhalb ihres Wirkungsbereichs.” Die Folge: Die Berufsrettung ist vollkommen ausgelastet und schreibt eine Rekordzahl an Einsätzen.
Auch in den städtischen ‚Häusern zum Leben‘ herrscht akuter Handlungsbedarf. „Die Bettenstationen in den ‘Häusern zum Leben’ sind nicht klimatisiert. Und das, obwohl sich die Institution an eine besonders schutzbedürftige Gruppe, hochbetagte Menschen, richtet”, erklärt Memoli. „Gerade dort müssen Hitzeschutzmaßnahmen getroffen werden. Die Zustände sind unwürdig und lebensbedrohlich.”
Die KPÖ Wien hat am 29. Juni eine Presseaussendung veröffentlicht, in der sie die Stadtregierung und ihr fehlendes Hitzemanagement scharf kritisiert. Daraufhin haben sich Mitarbeiter:innen mehrerer Wiener Rettungsorganisationen bei der KPÖ gemeldet, um von gravierenden Missständen auch aus anderen städtischen Bereichen und Einrichtungen zu berichten. „Sowohl vulnerable, gesundheitlich schwache Menschen, als auch die Mitarbeiter:innen der Stadt Wien selbst leiden unter den Bedingungen”, so Memoli.
Die Folgen dieses politischen Versagens sind keine bloßen ‘Unbequemlichkeiten’. Die Mitarbeiter:innen berichten von einer massiven Übersterblichkeit während und in den Tagen nach Hitzewellen. „Es gibt kein Naturereignis, das in Österreich derart fataltödlich ist wie Hitze”, stellt Memoli fest. „Die tödlichen Folgen von Hitze in Wien sind gut erforscht. Eine großangelegte Studie der Ludwig Boltzmann Gesellschaft** belegt einen signifikanten Anstieg von Rettungseinsätzen während und nach Hitzetagen. Die etablierte Politik weiß, dass Handlungsbedarf besteht. Die Stadtregierung schaut bewusst weg.”
„Im Endeffekt muss man feststellen, dass die Politik in Österreich Menschen sterben lässt, obwohl es Maßnahmen gäbe, die gesundheitsschädigenden Folgen der Hitze abzumildern”, kritisiert Memoli. „Dass gegen die Überbelastung des Rettungspersonals keine Vorsorgestrategie beschlossen wird, Räume für vulnerable Personen nicht klimatisiert werden, Schwimmbäder nicht kostenlos zugänglich gemacht werden und trotz lebensbedrohlicher Temperaturen Arbeiter:innen am Bau schuften müssen, ist systemischer Natur. Besonders vulnerable Gruppen sind für ‘die Wirtschaft’ uninteressant”. Die KPÖ erklärt, dass der Kapitalismus kein Interesse habe, vulnerable Gruppen, die keine Profite für Kapitalist:innen erwirtschaften können, zu schützen. “Die Reichsten der Reichen befeuern die Klimakatastrophe, haben aber gleichzeitig kein Interesse, die negativen Folgen der steigenden Temperaturen abzufedern”, so Memoli abschließend.
Fußnoten:
1: KPÖ-Aussendung vom 29.06.2026 https://wien.kpoe.at/aktuelles/kp-zu-hitzerekord-stadtregierung-versagt-bei-hitzemanagement-auf-voller-lnge
Rückfragehinweis:
Johannes Lutz
[email protected]
+43 670 55 14 700